Marketing in Wittenberg: Stadt bekommt iF Design Award 2016 für neues Logo

Selbstverständlich ist Wittenberg mehr als Luther, keine Frage. Das gesteht auch Tammo Bruns von der Agentur für Markenführung kleiner und bold freimütig zu. »Es gibt definitiv Interessen, die mit Luther nichts oder zumindest nicht direkt etwas zu tun haben.« Das neue Logo der Lutherstadt wirbt gleichwohl mit den Konturen des Reformators. Und das aus gutem Grund. Türme, Kirchen, Wappen und Stadtsilhouetten gebe es viele und sie seien oft austauschbar. Luther indes ist eine Persönlichkeit mit hohem Wiedererkennungseffekt, selbst dann, wenn nur ein stilisiertes, gesichtsloses Konterfei Verwendung findet. Als Logo hat Luther das Zeug zum »emotionalen Türöffner« so Bruns, die eigentliche Kommunikation komme ohnehin erst danach.

 

Eine der renommiertesten und ältesten Designauszeichnungen

Das sah die Jury des Industrieforums Design offensichtlich genauso; sie zeichnete die 2015 neu entwickelte Stadtmarke mit dem iF Design Award 2016 aus. Der jährlich ausgelobte Preis gehört zu den renommiertesten und ältesten Auszeichnungen im Bereich Design und wühlt sich in jedem Jahr durch mehr als 5.000 Einreichungen aus 70 Ländern. Dass dabei ein städtisches Logo das Rennen macht, kommt eher selten vor und war nicht allein für Johannes Winkelmann von der Wittenberger Marketinggesellschaft Grund zur Freude. Ein einheitliches aussagekräftiges Logo habe schon lange gefehlt. Gerade im Hinblick auf das Reformationsjubiläum 2017 sei es höchste Zeit gewesen, diese Aufgabe in Angriff zu nehmen. »Städte stellen schließlich auch Marken dar« und mit einem nun geschärften Erscheinungsbild sei man gut gerüstet im Wettbewerb um Einwohner, Unternehmen und Touristen, so der Marketingchef, »für 2017 und darüber hinaus«.

Die neue Marke war in einem langen, durchaus nicht konfliktfreien Prozess auf Basis einer Online-Umfrage sowie mehrerer Workshops mit Vertretern aus Wirtschaft, Verwaltung, Tourismus und Kultur entwickelt worden. »Wenn man sich einmal für eine Marke entschieden hat, muss man das auch konsequent leben«, gab Oberbürgermeister Torsten Zugehör (parteilos) beim Pressegespräch am Mittwoch gut gelaunt zu Protokoll. Er kann offensichtlich mit Luther gut leben, auch und gerade mit einem gesichtslosen. Es biete Raum spielerisch mit der Marke umzugehen, den Freiraum aktiv selbst zu gestalten und mit eigenen Ideen zu füllen. »Entdecke den Luther in dir«, nennt Franka List von der Marketinggesellschaft das dahinterstehende Prinzip.

 

Luther repräsentiert wichtige Werte

Wenn man sich von der konkreten Person des Reformators löse, sagt Zugehör, stehe Luther schließlich für Grundwerte wie Gerechtigkeit, Bildung, Transparenz und nicht zuletzt für den Mut, sich auf den Weg zu machen und allen Widrigkeiten zum Trotz zu seinen Überzeugungen zu stehen. »Haltung bewahren ist ein höchst aktueller Anspruch.«
Nun ziert das Luther-Logo Publikationen und Visitenkarten der Verwaltung ebenso wie T-Shirts, Taschen und andere Give aways. Nach und nach werde es auch in verschiedenen städtischen Institutionen Anwendung finden vom Eigenbetrieb Kombi bis hin zu den Stadtwerken, im Tourismus sowieso und - wenn die Stadt ihr Placet gibt - in der Wirtschaft. Die Verpackung für die Luther-Tomate wirbt bereits mit dem Konterfei.

März 2016

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